Reserve: Paypal’s Maßnahmen für Hochrisikogeschäfte

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by Kris
11.07.2019

„Hochrisikogeschäft“ – das klingt erstmal ganz schön krass. Vielen ist auch gar nicht bewusst, dass ihr Geschäft in diese Kategorie fällt. Woher sollte man auch wissen was man nicht weiß? Gerade in der heutigen Zeit, in der unzählige Onlinekurse vermitteln wollen, wie einfach es doch ist ein Geschäft aufzubauen und dadurch finanziell, zeitlich und geografisch frei zu werden.

Doch hier ist auch der Fehler im Detail: „Geschäft“ aufbauen. Wenn du also ein Geschäft aufbaust, baust du ein Geschäft auf. Wenn du den Gurus folgst, verkaufst du mit hoher Wahrscheinlichkeit „nur“.

Der Verkauf gehört zum Geschäft. Doch um ein Geschäft aufzubauen, gehört tatsächlich einiges mehr dazu! Und hier kommen wir auch bereits zum „Hochrisikogeschäft“: Du kannst im Internet deine Produkte oder Dienstleistungen verkaufen, jedoch hast du damit noch lange kein nachhaltiges Fundament geschaffen – und das wissen auch deine Geschäftspartner, mit denen du zusammenarbeiten möchtest und auf die du angewiesen bist.

Wie verhält sich dieser Reserve-Prozess?
Bevor man sich im Stadium des fluktuierenden Verkaufes, inkl. Reserve bei Paypal, befindet, passiert in der Regel erst einmal folgendes: Die Sperre.

Sobald Paypal ungewöhnliche Aktivitäten feststellt, welche auf Kriterien wie die des Hochrisikogeschäfts hindeuten, folgt erst einmal die Stilllegung des Kontos.

Gründe hierfür können u.A. sein:

  • Unerwartete Umsatzsteigerung
  • Häufung von Käuferbeschwerden, Rückbuchungen oder Rückzahlungen
  • Neue Verkaufsaktivitäten
  • Lange Lieferfristen
  • Die aktuellen Finanzdaten unterstützen nicht die Umsätze auf dem PayPal-Konto

Anschließend geht es direkt zur Risikoprüfung, bei der Paypal bestmöglich versucht, Informationen über das Unternehmen zu sammeln. Bis die Überprüfung abgeschlossen ist, ist das Paypal-Konto nur noch eingeschränkt nutzbar.

Welche Informationen sind in dieser Situation erforderlich?
Folgende Angaben können abgefragt werden:

  • Was ist der Grund für den plötzlichen Umsatzanstieg?
  • Geschätzte monatliche Umsatzerwartungen im PayPal-Konto für die nächsten 6 Monate.
  • Der durchschnittliche Zeitraum für die Bearbeitung und den Versand der Bestellungen.
  • Angabe der Namen und Adressen der wichtigsten Lieferanten.
  • Wird Ware aus dem Lagerbestand versendet oder werden die bestellten Artikel von dem Lieferanten versendet (Dropshipping)?
  • Wie hoch ist der Anteil der Waren, die per Dropshipping versendet werden? Wie hoch ist der Anteil der Bestellungen, die aus dem Lagerbestand stammen?
  • Kopien von Rechnungen der Lieferanten über verkaufte Waren. Eine solche Rechnung ist ein Kaufvertrag, aus dem hervorgeht, wo du die zum Verkauf angebotenen Artikel gekauft hast. Auf dem Dokument müssen der Name und die Telefonnummer des Lieferanten ausgewiesen sein. (Hinweis: Pro-forma-Rechnungen ohne Zahlungsbeleg werden in der Regel nicht akzeptiert)
  • Wie viele offene Bestellungen bestehen zurzeit (noch nicht versendet)?
  • Wie viele Mitarbeiter beschäftigst du zurzeit?
  • Welchen Anteil des Monatseinkommens erwirtschaftest du mit Dropshipping?
  • Wie viele Dropshipping-Lieferanten beauftragst du?
  • Welche Vereinbarung bezüglich Rückzahlungen hast du mit deinem Dropshipping-Lieferanten getroffen (welcher Betrag wird vom Lieferanten bei Rückzahlungen zur Kostendeckung einbehalten)?
  • Welche Gewinnspanne (in Prozent) erwirtschaftest du mit Dropshipping?
  • Welche Kreditbedingungen bietet der Dropshipping-Lieferant (Cashflow)?
  • Informationen zu Nachverfolgungsnummern / Lieferbelege von zufällig ausgewählten Transaktionen.
  • Abgabe von Bilanzen / BWAs

Ne ganze Menge, was? Das böse: Wenn man nicht darauf vorbereitet ist, könnte dies bereits das Aus für den großen Traum des erfolgreichen Internet-Unternehmers sein.

Was tun, wenn man unvorbereitet von Paypal gesperrt / eingeschränkt / überprüft wird?
Sollte das passieren, hat meine seine Hausaufgaben grundlegend falsch oder gar nicht gemacht. Denn eines ist klar: Seinen Geschäftspartnern sollte man möglichst offen und transparent entgegenstehen. Pro-Aktivität kann hier ein riesen Pluspunkt sein, denn: Geldwäsche, Betrug, etc. ist noch immer ein großes Thema. Um sich zu Schützen, müssen Banken, Fintechs und Zahlungsanbieter eben diverse Pflichten und Auflagen erfüllen.

Gut, was ist nun aber mit der Lösung?
In diesem Fall ist die Lösung: Reagiere möglichst professionell auf die Fragen von Paypal.

  • Nein, es ist nicht professionell bei 100k EUR Umsatz im Monat noch immer seine Handynummer anzugeben, statt eine professionelle Telefonanlage zu nutzen.
  • Nein, es ist nicht professionell keine Rechnungen von seinen Zulieferern zu erhalten. Auch Chrome-Plugins wie Ali-Invoice, etc. helfen nicht.
  • Nein, es ist nicht professionell eine Gmail, GMX oder Web.de E-Mail Adresse zu benutzen.
  • Du hast keine Arbeitsverträge, weil deine Mitarbeiter VAs sind? Auch keine anderen schriftlichen Vereinbarungen?
  • Du hast eine Gesellschaft im Ausland angemeldet, weil du glaubst, damit könntest du Steuern sparen?
  • Du verkaufst Artikel, die die EU-Auflagen nicht erfüllen?
  • Nahrungsergänzung? Produkte, die mit Schleimhäuten in Berührung kommen – aus China. Im Ernst?
  • Du hast gar kein Kundenservice-Team? SLA ist dir ein Fremdwort?
  • Du fragst Paypal nach deren Nachfrage der letzten BWA was eine BWA ist?

Du glaubst gar nicht, wie viele Beispiele ich hier noch aufzählen könnte. Kurz gesagt: Reagiere Professionell und/oder suche dir jemanden – und zwar schnellstmöglich – und bezahle ihn, sodass er dir dabei hilft, schnellstmöglich mit Paypal zu kommunizieren. Das ist dir zu teuer? Dann wird’s Zeit für ein anderes Hobby.

Die Lösung ist also sowohl simpel, als auch komplex: Wer begonnen hat, sich einen Kurs über das Verkaufen zu beschaffen und einfach nur verkauft, statt zwischen den Zeilen zu suchen, kreativ zu sein und sich unternehmerisch fortzubilden, den wird der Hammer früher oder später hart treffen.

Dies mag für die Kurs-Bois ziemlich komplex & kompliziert, für jeden echten Unternehmer dagegen sollte das ein einfaches Spiel sein. Denn Unternehmer haben es im Auge, ein Unternehmen aufzubauen. Hier ist „Verkaufen“ nur ein Teil davon. Der Wert liegt im Fundament.